DER GIEßEN-TEST IN DER PAARBERATUNG
- ein Beispiel -

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Meine Klienten füllen zu Beginn einer Beratung, eines Coachings oder einer Therapie obligatorisch einen Persönlichkeitsfragebogen aus, den „Gießen-Test“. Er enthält 40 Fragen, die sechs Skalen zugeordnet sind:

Negative Soziale Resonanz Positive Soz. Resonanz
Dominanz Gefügigkeit
Unterkontrolliert Zwanghaft
Hypomanisch Depressiv
Durchlässig Retentiv
Soziale Potenz Soziale Impotenz

Auch bei der Eheberatung, beim Couple-Coaching oder der Paartherapie setzen wir den Gießen-Test als Analyseinstrument ein. Dazu bekommen beide Partner ein Doppel mit nach Hause, das sie dann jeweils einzeln ausfüllen. Es geht darin letztlich um einen Abgleich der Selbst- und Fremdwahrnehmung in einer Partnerschaft - oft mit spannenden richtig Ergebnissen, die keiner so in der Art vermutet hätte.

„So bin ich“ bzw. „So ist mein Partner“ steht über den Fragebogen. Das Ergebnis zeigt dann grafisch die Selbsteinschätzung im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung, dann noch im Vergleich zur Selbsteinschätzung des Partners.
Die spannendsten Profil-Vergleiche ergeben sich meist bei der Betrachtung der Selbst- und Fremdeinschätzung. Wobei eine größere Differenz nicht sofort bedeuten muss, dass einen der Partner nicht kennt oder nur projiziert, was er sehen möchte. Es kann auch sein, dass der Partner einen besser kennt als man sich selbst. Gar nicht so selten ist es, dass die Frau ihren Partner in einigen Punkten realistischer einstuft als er sich selbst. Genauso gut kann auch vorkommen, dass sich die Selbstsicht des Partners auf Lebensbereiche bezieht, die der Partner nicht kennt. Wenn sich jemand im Beispiel des Partners deutlich anders verhält als zum Beispiel im Beruf oder im Freundeskreis. Auch das ist ein wichtiges Thema, weil der Partner das vorher womöglich überhaupt nicht wusste.
Der Fragebogen gilt in Deutschland als ein etablierter wissenschaftlicher Persönlichkeitstest auf psychoanalytischer Grundlage, entwickelt an der Universität Gießen von den Psychologen Dieter Beckmann, Elmar Brähler und Horst-Eberhard Richter.

Im Folgenden soll die Auswertung von einem Paaren vorgestellt werden. Die Profile erhellen als Diagnostikum, wo man als Paar mit dem Paarpsychologen den Hebel ansetzen kann, damit die Beziehungsqualität steigt.
„Ihre“ Selbstsicht wird mit einer roten Linie, wie ihr Partner sie sieht, mit einer roten gestrichelten Linie dargestellt.
„Seine“ Selbstsicht bzw. die Fremdsicht durch seine Partnerin wird entsprechend blau liniert oder gestrichelt dargestellt.




Ergebnis: Streit und Konflikte sind vorprogrammiert:

PO - IP: Sie schätzt sich als sozial potent ein, als gesellig, fähig zu Small-Talk, versiert auf dem Parkett. Er selbst sieht diese Fähigkeiten weniger ausgeprägt, was ihre Einschätzung bestätigt. Allerdings wird ihre soziale Kompetenz insbesondere in puncto kommunikative Geselligkeit von ihm nicht gesehen. Er gibt ihr sogar einen noch geringeren Wert als sich selbst.
Tatsächlich ist sie sehr kommunikativ, kann dies überwiegend im Beruf unter Beweis stellen – was ihr Partner allerdings nicht miterleben kann. Er beurteilt sie also bezogen auf die Ausschnitte ihres Lebens, die er erlebt, und dann auch noch aus seinem Blickwinkel heraus. So kommt dieser verzerrte Wert zustande.

DU - RE: Sie wird fast punktgleich eingeschätzt wie sie sich selbst sieht, nämlich als ausgewogen retentiv bzw. durchlässig. Seine kommunikativ zurückhaltende Art wird von ihr auch so gesehen.

HM - DE: Auffallend ist ihr ausgeprägter Wert bei Depression: Sie outet sich damit also als jemand, der in Konfliktfällen eher „nach innen klappt“, also eher Schuldgefühle entwickelt, Selbstvorwürfe, Ängste und Depressionen entwickelt statt die Konflikte offensiv anzugehen. Sie wiederum ordnet ihrem Partner eine sehr offensive, eher angstfreie Haltung zu (hypomanisch). Dies erklärt sich daraus, dass seine dosierte offensive Art aus ihrem eher ängstlichen Blickwinkel heraus als sehr offensiv eingestuft wird. Ihre prometatische Haltung zu Konflikten wird von ihm nur bedingt so gesehen.

UK - ZW: Eine Parallele zu oben: Sie stellt sich als ziemlich zwanghaft dar: akkurat, pünktlich, fast pedantisch. Er sieht sich nur etwas zwanghaft, was sie aus ihrem Blickwinkel heraus zu der Einschätzung veranlasst, ihn auf der anderen Seite zu sehen, nämlich als lockeren Vogel, ziemlich unterkontrolliert. Offenbar bekommt sie seine akkuraten Seiten nicht so mit, will es nicht sehen oder geht nur von ihrem Blickwinkel aus. Und er sieht auch nur begrenzt, wie sie sich einstuft.

DO - GE: Dies ist das interessanteste Ergebnis dieser Auswertung: Beide sehen sich harmlos vereint auf beinahe derselben Position der ziemlich ausgeprägten Gefügigkeit. Aber so sehen sie sich nur selbst. Wenn er sie einstufen soll, wird die Skala beinahe gesprengt: Weiter nach außen geht es nicht. Auch ihre Einschätzung seiner Dominanz ist jenseits des üblichen Rahmens. Hier klaffen Selbst- und Fremdeinschätzung extrem auseinander.

NR - PR: Er ordnete ihr eine soziale Impotenz zu (ganz unten rechts), woraufhin sie nun eine moderate negative soziale Resonanz abbekommt (ganz oben links). Er selbst sieht sich im Plus, noch mehr wird er von ihr so gesehen, übrigens auf demselben Wert, den sie sich selbst zuordnet: ausgeprägt als sympathisch erlebt, gemocht, von anderen als interessant empfunden.
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